Schutz für den Weissen Hai
ARD-Sendung vom 13. Oktober 2004
Schutz für den Weissen Hai
Ein Kinofilm hat ihn zur Bestie stilisiert, doch für Küstenbewohner und Fischer war er schon immer der Feind: der Weisse Hai. Der grosse Meeresräuber in seinem unzugänglichen Lebensraum weckt Urängste beim Menschen. Deswegen galt es ihn zu bekämpfen: bis heute ist der Hai für viele ein Tier ohne Wert und Ansehen.
Eine Tierart, die seit 400 Millionen unsere Meere bewohnt, hat der Mensch in kürzerster Zeit um 95 Prozent in seinen Beständen dezimiert. Es war ein leichtes Spiel, denn die Haibestände sind sehr empfindlich. Sie sind weit verteilt über die Meere und pflanzen sich auch nur spärlich fort. Haie werden erst spät geschlechtsreif und gebären wahrscheinlich nur unregelmässig Nachwuchs. Wie viele Tiere es weltweit überhaupt noch gibt, weiss niemand genau.
Das Monster ist in Wirklichkeit sehr vorsichtig
Haiforscher Erich Ritter taucht vor Südafrika zu den seltenen Tieren hinab. Bis vor wenigen Jahren herrschte völlige Unkenntnis über die grossen Meeresräuber. Ihr Verhalten hat er mit Unterwasserkameras aufgezeichnet und genau analysiert. Dabei hat er festgestellt: Die tiefe Angst vor den Tieren ist völlig unberechtigt. Der Hai ist kein blutrüstiges Meeresmonster. Er stürzt sich nicht auf einen Taucher, sondern kundschaftet vorsichtig aus, ob der unbekannte Mensch eine Gefahr für ihn darstellt.
Beute des ausgewachsenen Weissen Hais sind vor allem Seehunde. Heranwachsende Haie ernähren sich von Fischen. Er erlegt vor allem kranke, alte oder geschwächte Tiere. Sein Hunger ist nicht unersättlich, er frisst unregelmässig, dann wenn er wirklich Hunger hat
Als Alpha-Räuber steht er an der Spitze der Nahrungskette, schöpft nur wenig ab, denn schliesslich darf er seine Beutetiere nicht in ihrem Bestand gefährden. Im Gegenteil er hält sie fit, verhindert, dass sich Krankheiten ausbreiten. Haie sind zwar Einzelgänger, allein sind sie aber selten. Fische schwimmen um ihren Kopf herum und fressen von dem, was er übrig lässt oder nutzen seinen Wasserschatten. So brauchen sie weniger Energie, um im Wasser voranzukommen.
Wichtiger Faktor im Ökosystem
Der Weisse Hai ist ein wichtiger Faktor in einem Ökosystem, das sich sehr lange Zeit stabil war. Längst vor den Dinosauriern kontrollierten Haie die Meere.
Heute wird ihm vor allem aus Profitgier nachgestellt. Trophäenjäger erzielen horrende Preise für ein komplettes Gebiss vom weissen Hai: 50.000 Tausend Euro! Ein einzelner Zahn wird im Internet immerhin mit 500 Euro angeboten.
Wenn sich ein weisser Hai an einem Fischhaken verfängt, dann ergeht es ihm meist nicht anders als Millionen anderer Haie: er wird amputiert, seine Flossen abgeschnitten, der lebendige Torso zurück ins Meer geworfen. Das Fleisch ist nur bei wenigen Haiarten gefragt, die Flossen machen allerdings nur fünf Prozent des Körpergewichts aus. Und das für eine asiatische Spezialität: Haifischflossensuppe! Die knorpeligen Flossen schaffen darin nur die Konsistenz, nicht den Geschmack.
Europa-grösster Einzellieferant für Haiflossen
Weltweit hat der Handel mit Flossen stark zugenommen. Über 6000 Tonnen getrockneter Flossen werden jedes Jahr gehandelt, der Hauptumschlagplatz ist Hongkong. Aber auch die Europäer sind in die grausamen Flossengeschäft verwickelt. Europa ist der gösste Einzellieferant für Haiflossen. Von den 470 Haiarten sind etliche durch den Flossenhandel extrem in ihren Beständen bedroht. Der Weisse Hai könnte in einigen Regionen bald verschwinden, wenn er nicht bald einen international wirksamen Schutzstatus bekommt.
nach oben - zurück zu Haie ohne Flossen
